Die Leute-ohne-Fluss und die Männer der Zäune!

Warum es wichtig ist, dass mit der Allianz Wien anders normale Leute ins Parlament kommen. (Rede zum 1.Mai von Pablo Torija)

Galeano schreibt über ein bekanntes chinesisches Sprichwort:
„Gib einem Hungernden einen Fisch, und er wird einmal satt, lehre ihn Fischen, und er wird nie wieder hungern.“
Galeano sagte, dass es ein schönes Sprichwort ist – aber es hilft uns nicht. Dieses Sprichwort sagt nichts darüber, was passiert, wenn jemand eine Fabrik in unserer Nähe baut, die den Fluss kontaminiert und alle Fische tötet.

Das Sprichwort sagt auch nicht, was passiert, wenn der Fluss privatisiert wird. Wenn z.B. jemand einen Zaun baut und sagt: „Jetzt könnt ihr hier nicht mehr fischen“. Dieses Sprichwort sagt nichts über unser Leben. Bei uns gibt es die Männer-der-Zäune, die sagen, wie viele von uns was fischen können. Du kannst fischen, aber du nicht, und du nicht und du auch nicht. Wir sind die Leute-ohne-Fluss. Und die Männer-der-Zäune sagen, wie viele Fische uns nehmen können. Sie sagen, „du kannst nur jeden zweiten Fisch nehmen“… und wenn du eine Frau bist: „nur jeden dritten!“… und das ist nicht genug.
Heute wissen wir, die Leute-ohne-Fluss, dass wir fischen können. Aber morgen? Und über morgen? Und was passiert, wenn wir nicht mehr fischen können? Und versuch mal, über die Zäune springen… weil die Männer-der-Zäune auch die Polizei haben. Nein, leider, das funktioniert auch nicht.
Ich kämpfe jeden Tag zwischen Prekarität und Arbeitslosigkeit. Ich habe einen Vertrag für 40 Tage, der letzte war für 100 Stunden, der vorletzte für 23 Tage… Aber wie ist dein Leben, ist es nicht auch prekär? Weißt du, was mit deiner Arbeit passiert wird? Bist du eine Frau und verdienst ein Drittel des männlichen Lohns? Bist du arbeitslos? Dies sind die kollektiven Probleme von den Leuten-ohne-Fluss.
Und wie können wir diese Probleme lösen? Sie sind kollektive Probleme, deshalb brauchen wir kollektive Lösungen. Aber was? Gott sei Dank, ist die Zeit der Kalaschnikow vorbei. Was können wir sonst machen? Demonstrieren.
Demonstrieren ist einfach, besonders bei sonnigem Wetter. Aber was passiert morgen? Morgen sind wir wieder prekär oder arbeitslos. Schaut, was in Griechland und Spanien passiert ist. In Griechenland organisierten die Leute einen Generalstreik fast jeden Monat. Ein Generalstreik, und dasfast jeden Monat! Und was machte die Regierung (die Sozialdemokraten)? Nichts! Die Politiker sind nicht mehr bei uns, sie sind nicht die Leute-ohne-Fluss, sie wohnen bequem mit den Männern-der-Zäune. Und in Spanien? Wir waren einen Monat, Tag und Nacht an der Puerta del Sol. Einen ganzen Monat. Und was machte die Regierung (auch Sozialdemokraten): Nichts!
Wenn wir über Zäune sprechen; die Sozialdemokraten sind immer mit den Männern-der-Zäune, nicht mit uns, nicht mit mir, und nicht mit euch.
Hier, draußen, können wir viel schreien, demonstrieren, marschieren, alles… die Männer-der-Zäune lachen uns aus. Ja, sie lachen. Weil wir heute hier sind und Morgen sind wir wieder die Leute-ohne-Fluss.
Die Probleme für die Männer-der-Zäune fangen an, wenn wir nicht nur vor dem Parlament sind, aber wenn wir drinnen sind. Wenn die Leute-ohne-Fluss, die normalen Leute, wie du und ich, im Parlament sind. Wenn wir sagen die Zeit der Privilegien sei vorbei.
Es ist egal wenn wir über SPÖ, ÖVP, FPÖ oder die Grünen sprechen. Die professionellen Politiker sind nicht wie wir. Sie haben nicht unsere Probleme, Arbeitslosigkeit oder Prekarität sind abstrakte Konzepte für sie. Werner Faymann, Eva Glawischnig, Strache, sie waren nie arbeitslos oder prekär, und sie werden es nie sein. Für Sie, sind wir nur eine Nummer, nur eine Zahl in der Statistik.
Bis jetzt gibt es in Österreich keine Partei im Parlament, die von normalen Menschen gebildet wird. Alle Parteien haben professionelle Politiker, die die Probleme der normale Leute nicht erfahren haben.
Zum Glück ändert sich das. Jetzt gibt es in Wien eine neue Allianz: Wien Anders. Es ist eine Allianz der normalen Leute, es gibt Leute von der KPÖ, den Piraten, Echt Grün, und Leute ohne Partei… Aber normale Leute, mit normalen Problemen, auch Prekäre und Arbeitslose, auch MigrantInnen, auch Studierende. Sie wissen auch, dass es ist leider nicht genügt zu marschieren, es wichtig, aber nicht genug. Für uns, die normalen Leute, ist es wichtig, dass wir in der Regierung sind. Das ist unser Ziel. Heute und hier arbeiten die normalen Leute für etwas, das Wien Anders heißt. Morgen weiß ich nicht, aber heute heißt es Wien Anders. Und wir sollten auch dort sein, mit oder ohne Partei, es ist egal. In den Bezirken, in den Arbeitsgruppen, und mit den sozialen Netzwerken…, weil wir in der Regierung sein müssen, weil es für die normalen Leute, die Leute-ohne-Fluss, unsere einige Chance ist.
Vielen Dank.

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